Valie Export

Valie Export

Quelle: Wikipedia

VALIE EXPORT – Ikone der feministischen Medien- und Performancekunst

Radikal, präzise, wegweisend: Wie VALIE EXPORT Körper, Bild und Öffentlichkeit neu definierte

VALIE EXPORT, 1940 in Linz als Waltraud Lehner geboren, gehört zu den prägendsten Stimmen der internationalen Medien- und Performancekunst. Sie schuf seit den späten 1960er-Jahren wegweisende Performances, Filme und fotografische Arbeiten, die den weiblichen Körper, gesellschaftliche Machtverhältnisse und die Rolle der Medien in den Mittelpunkt rücken. Durch ihre kompromisslose künstlerische Entwicklung und eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz im öffentlichen Raum veränderte sie nachhaltig die Wahrnehmung von Kunst, Feminismus und Expanded Cinema.

Mit der bewussten Annahme des Künstlernamens VALIE EXPORT im Jahr 1967 positionierte sie sich als eigenständige Marke und künstlerisches Konzept. Ihre Musikkarriere im engeren Sinn existiert nicht; vielmehr operiert sie interdisziplinär zwischen Film, Performance, Fotografie und Installation. Dieser Grenzgang – ästhetisch wie politisch – macht ihr Werk bis heute zu einem Referenzpunkt für Generationen von Künstlerinnen und Künstlern weltweit.

Biografie und künstlerische Selbstermächtigung

Aufgewachsen in Linz, fand VALIE EXPORT früh zum Film und zu den Bildmedien. 1967 legte sie ihren bürgerlichen Namen ab und etablierte den in Versalien gesetzten Künstlernamen als strategischen Akt der Selbstermächtigung. Dieser Schritt markiert den Beginn einer Musikkarriere-analogen Laufbahn im Kunstfeld: Markenbildung, Haltung und Wiedererkennbarkeit. In Wien und München formte sie ein OEuvre, das die mediale Darstellung des Körpers de-konstruiert und neue Formen von Öffentlichkeit herstellt. Ihre künstlerische Entwicklung verband Theorie, Komposition von Bildsequenzen, filmische Montage und performatives Arrangement zu einer klaren, oft konfrontativen Bildsprache.

Export verstand die Kunst stets als sozialen Kommunikationsraum. Die frühen Performances zielen auf eine unmittelbare Handlungssituation – ohne schützende Distanz. Dabei nutzt sie Mittel des Expanded Cinema, um starre Genregrenzen aufzulösen und das Publikum aktiv einzubeziehen. Diese konsequente Öffnung des Kunstraums prägte ihren internationalen Ruf und bereitete den Durchbruch in Kuratorien, Museen und Festivals vor.

Durchbruch im öffentlichen Raum: Performances, die Geschichte schrieben

Zwischen 1968 und 1971 entstand das legendäre „Tapp- und Tastkino“: Export trug ein miniaturisiertes Kinomodell vor der Brust; Passantinnen und Passanten wurden eingeladen, das „Kino“ haptisch zu erfahren. Die Arbeit kehrte die visuelle Voyeurismus-Ökonomie des Kinos um und machte Berührung zum Medium – ein radikales Arrangement, das Geschlechterpolitik, Blickregime und Medienkonsum zugleich verhandelte. Die Reaktionen reichten von Irritation bis Empörung, was den kulturellen Sprengsatz dieser Performance eindrucksvoll belegte.

Ebenfalls 1968 setzte sie mit „Aus der Mappe der Hundigkeit“ ein starkes Zeichen gegen patriarchale Zuschreibungen, indem sie gemeinsam mit Peter Weibel Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse performativ zugespitzt inszenierte. Beide Arbeiten gelten heute als Schlüsselwerke der Aktions- und Performancekunst; sie zeigen die außergewöhnliche Bühnenpräsenz Exports im urbanen Raum und ihre Fähigkeit, ästhetische Form und gesellschaftliche Analyse untrennbar zu verschränken.

Filmische Handschrift: Expanded Cinema, Montage und das Politische

Exports filmisches Werk – eine „Diskographie“ des bewegten Bildes im weiteren Sinn – reicht von frühen experimentellen Kurzfilmen über essayistische Videoarbeiten bis zum Langfilm. In „Syntagma“ (1983) untersucht sie mittels Überblendungen und Dopplungen die Konstruktion des weiblichen Körpers durch Bildtechnologien. Diese Produktion zeigt die Präzision ihrer Komposition und die dichte Verknüpfung von Inhalt und Form – ein Lehrstück für medientheoretisch informierte Produktion.

Mit „Die Praxis der Liebe“ (1985) erreichte Export den Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der Politthriller verbindet erzählerische Spannung mit einer scharfen Analyse von Macht, Intimität und gesellschaftlichen Strukturen. Zuvor hatte sie mit „Unsichtbare Gegner“ (1976) Wahrnehmung, Paranoia und Medienrauschen in eine atmosphärisch dichte Bilddramaturgie übersetzt. Diese Filmografie demonstriert eine konsequente Erweiterung des Kinos – inhaltlich, formal und räumlich.

Ausstellungen, Institutionen, Lehre

Die internationale Sichtbarkeit ihres Werks zeigt sich in Ausstellungen und Retrospektiven in renommierten Häusern. Bereits 1977 war Export auf der Documenta in Kassel vertreten; 1980 repräsentierte sie gemeinsam mit Maria Lassnig Österreich auf der Biennale von Venedig. Museen wie MOCA Los Angeles, LENTOS oder internationale Kunstzentren widmeten ihrem Werk bedeutende Präsentationen, die ihren Kanonstatus festigen.

Ihre Expertise prägte auch die akademische Ausbildung: Stationen an der University of Wisconsin–Milwaukee, an der Universität der Künste Berlin sowie seit Mitte der 1990er-Jahre eine Professur für Multimedia/Performance an der Kunsthochschule für Medien Köln belegen die nachhaltige Vermittlungspraxis. 2016 erwarb die Stadt Linz ihr Archiv und gründete das VALIE EXPORT Center – eine Forschungsstätte, die das Werk erschließt, kontextualisiert und in die Zukunft trägt.

Auszeichnungen und Anerkennung

Die Liste der Ehrungen unterstreicht Exports Autorität im Feld: der Roswitha-Haftmann-Preis (2019) als eine der bedeutendsten europäischen Kunstauszeichnungen, die Goldene Nica als „Visionary Pioneer of Feminist Media Art“ beim Prix Ars Electronica (2020) sowie zahlreiche staatliche und städtische Ehrungen in Österreich. Diese Auszeichnungen dokumentieren den kulturellen Einfluss ihrer Praxis ebenso wie die Relevanz ihrer theoretischen Beiträge zur Medien- und Performancekunst.

Auch die Filmkritik würdigte ihre Langfilme: „Die Praxis der Liebe“ sorgte bereits 1985 im Berlinale-Wettbewerb für Aufmerksamkeit. Kuratorische Programme – etwa Retrospektiven und thematische Reihen – greifen ihre Filme und Performances immer wieder auf und machen sie einer jüngeren Generation zugänglich.

Stil, Genre und künstlerische Methodik

Exports Arbeiten verbinden konzeptuelle Strenge mit sinnlicher Direktheit. Im Vokabular der Produktion arbeitet sie mit performativen Scores, präziser Bildkomposition, montagetechnischen Eingriffen und einer kontrollierten Choreografie von Nähe und Distanz. Das „Arrangement“ des Publikums – ob auf der Straße, im Kino oder im White Cube – ist integraler Bestandteil der Werke. Genregrenzen interessieren sie vor allem als Material, das sie verschiebt, überlagert oder durchdringt.

Musik im engeren Sinn spielt nicht die Hauptrolle, doch ihre Performances besitzen oft eine ausgeprägte rhythmische Struktur: Taktungen von Bewegung, Atem, Schrittfolgen und rituellen Gesten erzeugen eine leibliche „Partitur“. In dieser Perspektive wird Exports Werk lesbar als intermediales Ensemble – eine Komposition aus Körper, Raum, Zeit und Medium.

Kultureller Einfluss und Rezeption

Als Pionierin feministischer Medienkunst eröffnete Export Diskursräume, die bis in heutige Bildpolitiken und Netzöffentlichkeiten reichen. Ihre Analysen von Blickregimen, Körpernormen und medialen Dispositiven bilden Referenzpunkte für zeitgenössische Künstlerinnen, Filmemacher und Theoretikerinnen. Museen, Sammlungen und Kunsthochschulen verankern ihr Werk in Lehrplänen und Sammlungsstrategien; Ausstellungen und Publikationen zeigen, wie stark ihre künstlerische Haltung neue Narrative ermöglicht.

Die Rezeption bleibt dynamisch: Interviews und Porträts der letzten Jahre betonen ihren ungebrochenen Antrieb, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu befragen. Jüngere Generationen entdecken in den Performances der 1970er-Jahre ein Instrumentarium, um mediale Realität und Geschlechterrollen der Gegenwart zu verhandeln. Dadurch wirkt Exports Werk wie eine offene Partitur für aktuelle künstlerische Praxis.

Aktuelle Aktivitäten und Projekte (2024–2025)

In den Jahren 2024 und 2025 stand VALIE EXPORT weiterhin im Fokus von Ausstellungen, Filmreihen und Gesprächen. Institutionen wie C/O Berlin nahmen ihr filmisches Werk erneut in den Blick; Presseberichte und Gespräche betonten ihre anhaltende Produktivität und die Arbeit am eigenen Archiv. Auch in österreichischen Medien wurde über geplante Film- und Dokumentationsprojekte berichtet, die ihr Leben und Schaffen neu beleuchten.

Das VALIE EXPORT Center Linz fungiert dabei als aktives Forschungszentrum: Führungen, Archivprojekte und Online-Angebote geben Einblicke in Werk, Vorlass und Kontext. Diese Struktur sichert die langfristige Rezeption, erhöht die Sichtbarkeit in Forschung und Öffentlichkeit und lädt internationale Besucherinnen und Besucher ein, Exports Werk aus erster Hand zu studieren.

Fazit: Warum VALIE EXPORT jetzt erleben?

VALIE EXPORT steht für Kunst, die Risiko eingeht und Maßstäbe verschiebt. Ihre Performances verändern die Grammatik der Wahrnehmung; ihre Filme entfalten eine kluge, kompromisslose Bildsprache; ihre Ausstellungen und Texte öffnen Diskurse, die heute aktueller wirken denn je. Wer die Lebendigkeit der Gegenwartskunst verstehen will, begegnet ihr in Exports Werk: mutig, analytisch, sinnlich.

Erleben Sie VALIE EXPORT im Kinoformat, im Museumsraum oder über die Arbeit des Forschungszentrums in Linz. Live-Kontexte – Gespräche, Screenings, Archivführungen – zeigen die Kraft ihrer Ideen am unmittelbarsten. Diese Begegnungen machen deutlich: Exports Pionierleistung ist nicht Vergangenheit, sondern ein vitaler Impuls für Gegenwart und Zukunft.

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