Heinz-Josef Braun

Quelle: Wikipedia

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Heinz-Josef „Dscharli“ Braun – Musiker, Schauspieler, Kabarettist: Ein bayerisches Multitalent mit Tiefgang
Vom Bass bei Haindling zur großen Bühne: Die vielstimmige Musikkarriere und künstlerische Entwicklung eines Ausnahmekünstlers
Heinz-Josef Braun, geboren am 31. Dezember 1957 in München, prägt seit Jahrzehnten die bayerische Kultur- und Musikszene. Als Gitarrist und Bassist begann er seine Musikkarriere in den 1970er-Jahren, ehe er 18 Jahre die legendäre Band Haindling am Bass prägte. Parallel erarbeitete er sich als Schauspieler und Kabarettist eine markante Bühnenpräsenz, die von filmischer Präzision, Humor und musikalischem Gespür lebt. Heute vereint Braun Komposition, Produktion, Schauspiel und Live-Hörspiel zu einer künstlerischen Handschrift, die gleichermaßen poetisch, bodenständig und zeitlos wirkt.
Herkunft, Ausbildung und erste Schritte: Die Formung eines Bühnenmenschen
In München aufgewachsen, kaufte sich Braun mit 14 Jahren seine erste E-Gitarre – der Startpunkt einer Laufbahn, die bald von Proberäumen, Bandprojekten und ersten Gigs bestimmt wurde. Nach dem Abitur und dem Zivildienst studierte er Malerei an der Kunstakademie München. Dieses bildnerische Denken hört man seiner Musik an: Seine Arrangements besitzen visuelle Qualitäten, sein Timing in Theater und Film verrät Gespür für Dramaturgie, Rhythmus und Zwischentöne. Mitte der 1970er-Jahre spielte er als Gitarrist und Bassist in Formationen wie Superlippe, Vitale, No-Nos oder Verkommener Adel – ein Korridor musikalischer Erfahrungen, der seine stilistische Bandbreite schärfte und seine Bühnenpräsenz festigte. Diese frühe künstlerische Entwicklung legte das Fundament für eine Karriere zwischen Genres, Besetzungen und Ausdrucksformen.
Musikkarriere bei Haindling (1983–1999/2000): Klangfarben zwischen Pop, Weltmusik und Bayern-Avantgarde
1983 stieg Braun als Bassist bei Haindling ein – jener von Hans-Jürgen Buchner gegründeten Band, die mit eigenwilligen Klangmischungen, Bläserfarben und bayerischer Mundart eine unverwechselbare musikalische Identität schuf. In dieser Phase lernte Braun, Groove, Melodik und Klangarchitektur in ein Kollektiv zu integrieren, das sich jenseits gängiger Pop-Schablonen bewegte. Die Live-Dynamik der Band und das feine Gespür für orchestrale Texturen schulten sein Ohr für Arrangement und Produktion. Tourneen, Studioarbeit und der tägliche Konzertmoment formten Brauns musikalische Handschrift – stets erdverbunden, rhythmisch prägnant, mit Raum für Humor und Nachdenklichkeit. Anfang 2000 verabschiedete er sich aus organisatorischen Gründen von Haindling, um eigene Projekte im Film-, Theater- und Hörspielbereich zu vertiefen. Diese Station bleibt dennoch ein zentraler Pfeiler seiner Diskographie und künstlerischen Entwicklung. [Quellenhinweis: Biografie- und Haindling-Abschnitte der offiziellen Website sowie Bandhistorie]
Schauspiel: Präzision, Komik und Charaktertiefe vor Kamera und Publikum
Zur Schauspielerei fand Braun über Impulse seiner späteren Ehefrau, der Schauspielerin Johanna Bittenbinder. Es folgten Ausbildung und frühe Rollen u. a. in „Xaver und sein außerirdischer Freund“. Spätestens ab dem späten 1980er-Jahren entwickelte er sich durch Theaterarbeiten und TV-Produktionen zum vielbeschäftigten Charakterdarsteller. Seine Filmografie umfasst zahlreiche Kinofilme und Fernsehwerke, darunter die Rosenmüller-Filme „Wer früher stirbt, ist länger tot“ (als Gumberger) und „Beste Gegend“, ebenso Stücke wie „Sommer in Orange“ und TV-Arbeiten von ZDF bis ARD. In der schwarzen Komödie „Schluss! Aus! Amen!“ überzeugte Braun in einer Hauptrolle mit Lakonie, Timing und feinsinnigem Humor – eine darstellerische Leistung, die sein Profil zwischen Volksnähe und Präzision im Spiel schärfte. Dieser Wechsel zwischen Rollenfach, Genre und Tonalität macht seine Expertise sichtbar: Er verknüpft musikalisches Timing mit schauspielerischer Ökonomie und sprachlicher Nuance.
Hörspiele, Komposition, Produktion: Klanggeschichten aus Bayern
Neben der Schauspielerei etablierte Braun sein eigenes Studio- und Kompositionsprofil. Er schreibt und produziert Musik für Kabarettprogramme, Theater, Film und Hörspiele. Gemeinsam mit Johanna Bittenbinder entstand 2008 das erste eigenproduzierte Live-Hörspiel „Tannöd“. In den folgenden Jahren sprach und komponierte Braun regelmäßig für den Bayerischen Rundfunk, entwickelte Hörspiele und Tonträger und formte eine eigene akustische Ästhetik – zwischen Erzählkunst, pointiertem Sounddesign und melodischer Kürze. Dieses Werkfeld dokumentiert Erfahrungswissen aus Produktion, Arrangement und Komposition: Braun denkt in Szenen, Dialogräumen und Stimmungen; seine Musik dient der Story und bleibt doch unverkennbar.
„Jennerwein“ und die Kunst des Live-Hörspiels: Bühnenerlebnis mit „vogelwilder“ Musik
Mit „Jennerwein – Ein bayerisches Live-Hörspiel mit vogelwilder Musik“ setzte Braun gemeinsam mit Stefan Murr, Johanna Bittenbinder und dem Art Ensemble of Passau einen Akzent, der Tradition, Populärkultur und Sound-Storytelling bündelt. Die Produktion erzählt das schillernde Leben Georg Jennerweins als theatral-musikalisches Erzählpanorama: wechselnde Rollen, szenische Verdichtung, pointierte Musikeinsätze. Das Resultat ist ein mitreißendes Bühnenerlebnis, das beweist, wie Braun literarische Stoffe, Bühnenpräsenz und musikalische Gestaltung organisch verbindet. Die Musik – mit Tuba, Posaune, Schlagwerk, Trompete, Akkordeon und Tenorhorn – verleiht den Szenen Puls und Farbe, während das Ensemble mit Humor und Empathie die Figuren lebendig macht. Tour-Termine und laufende Aufführungen zeigen, dass dieses Format nachhaltig Publikum findet und gerade in Bayern zu einer festen Marke wurde.
Bayerische Märchen mit Stefan Murr: Erzähltheater, Liedform und Community
Seit 2010 schreibt Braun mit dem Schauspieler und Autor Stefan Murr bairische Märchenadaptionen für Kinder und Erwachsene – vom „Bayerischen Schneewittchen“ bis zu den „Bayerischen Bremer Stadtmusikanten“, ergänzt um witzige Insektenkrimis wie „Käfer Mary“. Diese Produktionen verbinden erzählerische Leichtigkeit mit musikalischen Einwürfen, wechselnden Rollen und einem humorvollen, respektvollen Blick auf die Klassiker. Ihr Publikum ist generationenübergreifend: Kinder lachen über Figuren, Lieder und Tempo; Erwachsene genießen Dialekt, Wortwitz und Subtext. So entsteht ein kultiviertes Erzähltheater, das Heimatklang, Pop-Appeal und literarische Fantasie zusammenführt – ein überzeugendes Beispiel angewandter Musik- und Theaterpädagogik ohne Zeigefinger, aber mit klarer dramaturgischer Linie.
Stil, Einflüsse und musikalische Sprache: Zwischen Groove, Dialekt und Bildhaftigkeit
Als Bassist denkt Braun vom Fundament her: Timing, Puls und Klangbalance bestimmen sein Verständnis von Komposition und Arrangement. Aus seiner Zeit mit Haindling stammen jene sensiblen Mischungen aus Bläserfarben, Percussion und Melodielinien, die er später auf die Bühne und ins Studio übertragen hat. Der Dialekt fungiert als musikalisches Timbre, das Text und Ton verschmilzt. In Hörspielen und Live-Produktionen arbeitet Braun mit motivischen Leitfiguren, perkussiven Akzenten und harmonischen Verdichtungen, die Stimmungen rahmen und Szenen öffnen. Diese Handschrift bleibt selbst dann spürbar, wenn er als Schauspieler scheinbar „nur“ Text gestaltet – sein Gespür für Pausen, Phrasierung und Klang der Sprache ist musikalisch.
Diskographie und ausgewählte Werke: Von Bandhistorie zu Tonträgern der Bühne
Die wichtigste diskografische Phase fällt in Brauns Jahre bei Haindling (1983 bis 1999/2000). Als Bassist trug er zum Ensembleklang und zu Live-Einspielungen bei, die Haindling über Bayern hinaus bekannt machten. Diesen Abschnitt ergänzen Tonträger und Mitschnitte aus den Live-Hörspielen sowie Rundfunkproduktionen, an denen Braun als Sprecher, Musiker oder Produzent beteiligt ist. Auch wenn die Diskographie nicht im klassischen Popstar-Sinne als Solo-Katalog erscheint, ist sie in Summe ein dichtes Netz aus Bandaufnahmen, Hörspiel-Produktionen und Filmmusik-Beiträgen. Kritische Reaktionen aus der TV- und Filmpresse heben regelmäßig Brauns Natürlichkeit, komödiantische Präzision und Rollenintelligenz hervor – Qualitäten, die dem musikalischen Ohr für Takt, Tempo und Atmosphäre entsprechen.
Filmische Meilensteine und Resonanz: Rosenmüller-Kosmos und TV-Präsenz
„Wer früher stirbt, ist länger tot“ markiert einen filmischen Kulminationspunkt, in dem Brauns Spiel im Kontext der bayerischen Tragikomödie glänzt. Weitere Stationen wie „Sommer in Orange“ oder „Beste Gegend“ sowie TV-Produktionen von Krimiformaten bis zur Provinzsatire zeigen den Reichtum seiner Rollenfächer. Eine Hauptrolle in „Schluss! Aus! Amen!“ demonstriert seine Fähigkeit, Alltagsfiguren mit Würde, Wärme und Witz zu verkörpern – fern von Klischees, nah am Menschen. Dass Braun im deutschen Fernsehen über Jahrzehnte verlässlich präsent ist, unterstreicht seine Autorität als Charakterdarsteller und Erzähler mit musikalischer Seele.
Kulturelle Bedeutung: Bayern als Klangraum – und darüber hinaus
Braun steht für eine bayerische Kultur, die offen, ironisch und dialogfähig agiert. Seine Arbeit schlägt Brücken zwischen Musik und Schauspiel, zwischen Kinderpublikum und Erwachsenen, zwischen Volksnähe und künstlerischer Ambition. In einer Medienlandschaft, die oft auf schnelle Effekte zielt, setzt er auf Erzählung, Atmosphäre und handwerkliche Sorgfalt. Sein Werk prägt den regionalen Kulturraum, wirkt aber durch Qualität und Haltung weit über Bayern hinaus. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Ensembles, Autorinnen und Autoren, Sendern und Theatern belegt: Dieses künstlerische Modell ist nachhaltig, publikumsnah und zugleich künstlerisch anspruchsvoll.
Aktuelle Projekte (2024–2026): Live-Hörspiel, TV-Rollen, neue Spielpläne
Zu den jüngsten Aktivitäten zählen laufende und geplante Aufführungen von „Jennerwein – Ein bayerisches Live-Hörspiel“, Termine mit den bayerischen Märchenformaten sowie TV-Rollen in aktuellen Produktionen. Die Kombination aus Bühne, Hörspiel und Kamera bleibt Brauns schöpferisches Zentrum. Dass er daneben weiterhin spricht, komponiert und produziert, macht seine Kunst belastbar und vielseitig: ein Repertoire, das ständig wächst und sich erneuert, ohne seine Wurzeln zu verlassen. Für Kulturveranstalter ist Braun damit ein sicherer Anker: hohe künstlerische Qualität, starke Live-Wirkung, klare dramaturgische Handschrift.
Fazit: Warum Heinz-Josef Braun heute hören, sehen, erleben?
Weil seine Kunst musikalisch denkt, erzählt und berührt. Weil er Groove, Dialekt und Bildkraft zu einer eigenen Sprache verdichtet. Weil er im Ensemble glänzt und solo fesselt. Und weil seine Produktionen – ob „Jennerwein“, die bayerischen Märchen, Hörspiele oder Filme – zeigen, wie Musik, Schauspiel und Erzählkunst ineinandergreifen. Wer die bayerische Kultur lebendig, vielstimmig und humorvoll erleben will, sollte Heinz-Josef Braun live sehen – am besten dort, wo Sprache, Musik und Publikum ein gemeinsames Erlebnis werden.
Offizielle Kanäle von Heinz-Josef Braun:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
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- TikTok: Kein offizielles Profil gefunden
Quellen:
- Heinz-Josef Braun – Offizielle Website
- Crew United – Profil Heinz-Josef Braun
- schauspielervideos.de – Profil und Filmografie
- ARD Degeto – „Schluss! Aus! Amen!“ (Filmseite)
- Wikipedia – „Wer früher stirbt, ist länger tot“
- Heinz-Josef Braun – Musik (Hörspiele, Haindling, Produktionen)
- Heinz-Josef Braun – Eigenproduktionen („Jennerwein“, „Tannöd“ u. a.)
- chartsurfer.de – Haindling Biografie und Besetzungen
- Wikipedia: Bild- und Textquelle
